Mittwoch, 27.08.14
Ich habe beschlossen heute nach Trondheim zu fahren und dort zu entscheiden wie es weitergeht. Ich muß mein Zelt heute morgen schon wieder aus einer Riesenpfütze bergen.
In Kristiansund finde ich am Hafen ein Katamaran-Schnellboot das nach Trondheim fährt, ideal. Die Reise geht bei noch gutem Wetter los und meine Laune verbessert sich zunehmends auf dem Boot.
Die Aussicht auf die norwegische Schärenküste ist wirklich fantastisch. Unterwegs sehe ich Seeadler auf einer Schäreninsel.
Kurz vor Tronheim fahren wir allerdings in eine dicke graue Brühe hinein, jetzt ist endgültig November hier.
In Trondheim kann man nicht weiter als 10m gucken und mir schlägt ein eisiger Regen entgegen. Mein Entschluß steht fest, ich muß hier weg, gen Süden, so macht das keinen Spaß.
Das einzige was ich von Trondheim sehe ist der Fußgängerüberweg von Hafen zur Bahnstation. Dort fährt auch 20 Minuten später gleich ein Zug gen Oslo.
In Oslo komme ich dann nach 7 Stunden Zugfahrt kurz nach 23 Uhr an und mir schlägt ein lauer milder Wind vorm Bahnhof entgegen.
So warm hatte ichs im Norden selbst bei Sonnenschein lange nicht mehr. Den Weg zum Campingplatz kenne ich zum Glück noch und finde mich schnell durch Oslos Straßengewirr.
Wenn ich schon mal nachts unterwegs bin schieße ich noch schnell ein paar Nachtaufnahmen von Oslo.
Auf dem Campingplatz komme ich dann kurz nach 24 Uhr an und genieße noch die Wärme hier beim nächtlichen Zeltaufbau.
Donnerstag, 28.08.14
Der halbe tag geht heute für die Organisation meiner Rückfahrt per Interrnet drauf. Die Internet-Verbindung ist erbärmlich. Nach Stunden habe ich es endlich geschafft mir ein Ticket für den Rückflug
zu buchen und an der Rezeption ausdrucken zu lassen. Das war Schwerstarbeit.
Mittags trifft dann ein weiterer Fernradler hier ein und wird mein neuer Nachbar auf dem Campingplatz.
Ulf aus Westfalen. Er ist ebenfalls am Ende seiner Radtour, die er vorwiegend durch Schweden geradelt ist und zum Schluß nochmal einen Abstecher nach Oslo gemacht hat.
Ulf macht solche Touren schon seit 30 Jahren, unter anderem auch viel in Norwegen.
Der Draht ist so schnell hergestellt und wir beschließen beim abendlichen Bier am nächsten Tag gemeinsam zum Holmenkollen hochzufahren.
Freitag, 29.08.14
9 Uhr starten wir gemeinsam mit unseren Rädern. Das Wetter in Oslo ist bestens, so hätte ich das im Norden gebrauchen können.
Ulf hat beste Ortskenntnisse in Oslo und navigiert uns schnell durch die Innenstadt. Bis zum Holmenkollen sind ca. 400 Höhenmeter zu überwinden.
Mein Bergtraining zahlt sich aus, während Ulf mächtig ins Schnaufen kommt, macht mir der gemächliche Anstieg nichts mehr aus.
Vom Holmenkollen hat man eine wirklich gute Sicht über Oslo und den Fjord. Beeindruckend ist auch die auskragende Konstruktion der Skischanze, für die der Holmenkollen so bekannt ist.
Gleich nebenan befindet sich das Biathlon Stadion, in dem der norwegische Nachwuchs gerade auf Skaterollern trainiert.
Nach der Abfahrt vom Holmenkollen fahre ich alleine weiter zur Museumsinsel, die Ulf schon zur Genüge kennt.
Auf meinem Programm stehen heute das Wikingerschiff- Museum und das Kon-Tikki Museum. Die Museumsinsel ist an sich schon sehenswert. Mit einem Schlag wird man aus der Großstadt ausgespuckt und steht wieder in ländlicher Umgebung mit Holzhäusern und viel Grün.
Zum Wikingerschiff-Museum gibts nicht viel zu sagen, was es da zu sehen gibt, sagt der Name schon, aber sehr sehenswert. Aber am meisten beeindruckt hat mich das Kon-Tikki Museum.
Thor Heyerdahl war mit seinen Expeditionen wohl so ziemlich der Erste, der mit seinen Büchern über die Kon-Tikki und Ra-Expeditionen, das Fernweh in mir geweckt hat. So ist es wirklich beeindruckend jetzt vor dem Original Floß und Schilfschiff zu stehen.
Den restlichen Tag fahre ich langsam die Uferpromenade ab und genieße den Sonnenschein und die Atmosphäre hier.
Samstag, 30.08.14
Heimfahrtstag. Mit Ulf radle ich zusammen am späten Vormittag gen Oslo Innenstadt. Er will mir noch das Rathaus von innen zeigen. Hier finden in der riesigen Eingangshalle die alljährlichen Verleihungen des Nobelpreises statt. Ein wirklich monumentaler nordischer Bau, wo man Geschichte regelrecht spüren kann.
Vor dem Rathaus liegt auch die Straße, wo vor 3 Jahren dieser gräßliche Anschlag stattgefunden hat, ich hab die Bilder mit all den zerbrochenen Schaufensterscheiben aus dem TV noch im Kopf.
Dann wird es für mich Zeit zum Flughafen aufzubrechen. Von Ulf veabschiede ich mich herzlich, in ihm hatte ich die letzten Tage einen Gleichgesinnten gefunden, mit dem ich mich prächtig verstanden hab.
Mit der Zugschnellverbindung bin ich in kurzer Zeit auf dem Flughafen. Die Abfertigungshalle ist ein Alptraum. Alles automatisierte Abfertigungsschalter, ich stehe erstmal orientungslos wie im Dschungel hier.
Zum Glück gibt es doch noch ein paar hilfsbereite Stewardessen, die mir den rechten Weg durch den Automatendschungel weisen.
Irgendwann ist es geschafft und ich sitze im Flieger. Dort wird uns mitgeteilt das sich der Start auf Grund kliener technischer Defekte und Triebwerksproblemen etwas verzögert.
Gott verdammt müssen die einem sowas mitteilen? So sitzt man dann beim Rückflug da und achtet auf jedes auffällige Triebwerksgeräusch beim Flug ("Haltet durch meine, ist nich weit").
Schwamm drüber, in Tegel dauert es dann ewig bis unser Gepäck endlich auf das Band geladen wird. So habe ich dann bis das Fahrrad wieder fertig montiert und aufgeladen dasteht, nur noch 30 min um meinen Zug am Hauptbahnhof zu schaffen.
Wie war Steubers Vision: "In 20 min vom Hauptbahnhof zum Flughafen", ich hab sie wahrgemacht, wenn auch in einer anderen Stadt.
Im Höchsttempo rausche ich durch Berlins Innenstadt, die grüne Welle ist mir einigermaßen hold und fege Möchtegernrennradler von der Bordsteinkante.
Per Bummelzug geht es dann nach Weimar weiter, wo ich gegen 24Uhr eintreffe, schön wieder hier zu sein, man ist das warm hier...
Fazit
Meine Meinung zu Norwegen als Reiseland ist ziemlich gespalten. Es ist ein äußerst sehenswertes Land mit beeindruckender Natur ohne Ende.
Für mich als Reiseradler war es aber auch ein schwieriges Land. An die Berge und steilen Anstiege, das ständige auf und ab muß man sich gewöhnen, das kostet Kraft, man wird aber mit gigantischen Aussichten dafür belohnt. Am unschönsten sind aber die großen Strassen mit viel Verkehr, wo man an der Leitplanke förmlich langschleift und die man auch nicht umgehen kann, auch diese Abschnitte gehören zu offiziellen norwegischen Radrouten, verbunden mit Tunneln, der Alptraum jedes Reiseradlers.
Was ich aber als viel schwieriger empfand und was mich letzendlich dazu bewogen hat die Reise früher abzubrechen, war das Wetter.
Dieser August war aber anscheinend auch extrem mies, selbst für norwegische Verhältnisse. Nach der ersten Woche nur noch Regen, Regen und es kühlte zunehmends immer mehr ab, der Gipfel war dann die Suppe in Trondheim.
Vielleicht ist es doch besser im Juli hierher zu reisen.
Nur mit Zelt war das so für mich nicht mehr machbar (sollte ja schließlich noch Urlaub sein) und andere Übernachtungen sind schon verdammt teuer hier.
Wo wir beim zweiten Punkt sind, der Norwegem als Reiseland schwierig macht, es ist wirklich teuer hier, selbst wenn man sich auf das billigste beschränkt.
Trotz alldem nehme ich viele Eindrücke mit nach hause und habe meine Reise genossen. Es gelingt mir bei solchen Reisen schnell den Kopf frei zu kriegen und die vielen neuen Eindrücke auf mich wirken zu lassen.









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